Archiv August 2019

Der Tod des kleinen Helden

Donnerstag, 22.August 2019

Wie oft haben wir ihn verflucht, wenn er morgens um halb fünf uns mit seinem schrillen Krähen weckte! Wie oft hat Claudia ihn verflucht, wenn er sie bei ihren Besuchen im Hühnergehege mutig angriff! Nein, einen Namen hatte er nicht. Eigentlich hieß er nur der kleine Dreckskerl. Seine Rasse: Moderner Englischer Kämpfer.  Seine Größe: Kaum mehr als eine Handvoll. Sein Harem: Drei Hennen der selben Rasse.
Sie werden jetzt ohne ihn auskommen müssen. Er starb in Verteidigung unserer Hühner bei einem Greifvogelangriff. Woher wir das wissen? Wir nehmen es an, denn er ging trotz seiner winzigen Größe auf alles los, was er für gefährlich hielt.
Wie ist dieser Greifvogel trotz des Netzes ins Hühnergehege gelangt?  Wir haben alles abgesucht und nur eine Stelle gefunden, wo er sich zwischen Zaun und Netz durchgequetscht haben kann.
Aufgefallen ist uns zuerst die unnatürliche Stille im Gehege, als ich eine Tomate hineinwarf. Kein Huhn kam angerannt. Danach gab es einen Schlag gegen eine Fensterscheibe und ich sah den Übeltäter durchs Gehege fliegen. Ja, jetzt suchte er einen Ausgang, aber fand ihn natürlich nicht.
Wir rein ins Gehege und Claudia hielt ihn, der kopfüber mit den Krallen im Netz hing, todesmutig am Flügel fest. Ich bemächtigte mich seiner beiden Füße und dann bestaunten wir ihn: Ein wirklich schönes Exemplar. Nur was es genau ist, wissen wir nicht. Drei Greifvogelangriffe hatten wir bereits in all den Jahren. Zwei Bussarde und ein Habicht. Aber was ist das jetzt? Ein Sperber, denke ich.
Nachdem wir ihn bewundert und fotografiert hatten, ließen wir ihn wieder fliegen.
Dann kümmerte ich mich um das Opfer, das es ja geben musste. Ich brauchte nicht lange suchen, denn ich sah fünf Hennen an irgendetwas herumhacken. Unsere Kannibalen hatten sich der kleinen Leiche bemächtigt. Der Anblick war nicht gerade angenehm, aber ich kannte so etwas schon. Claudia hätte ihn am liebsten begraben, aber ich deponierte das kleine Etwas im Wald. Die Füchse müssen ja auch überleben.
Natürlich machten wir uns dann auf die Suche nach einem Loch im Netz, fanden auch eins, aber wunderten uns, wie er da durchgekommen ist.

P.S. Vida (Nr.306) ist am 22. August endlich am Düsseldorfer Flughafen angekommen. Ganz große Freude auf allen Seiten.

P.P.S  Der angekündigte Bericht über die Hornissen folgt natürlich noch.

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